Kreative Musse – Bildhauerei und Fotografie

 

Hansruedi Dietiker, Winterthur

Twannbachschlucht, September 2020

Ganz unscheinbar, am Westende des Bielersee-Dorfes Twann, führt eine steile Treppe zum Eingang der Twannbachschlucht, vorbei an einem Kassenhäuschen, wo pro Person 2 Fr. «Wegzoll» zu entrichten sind. Der Wow-Effekt stellt sich nach wenigen Schritten ein: Worte wie schroff, steil, zerklüftet und zugleich lieblich und mystisch fallen mir ein. Dies und viel mehr ist auf den Bildern zu sehen.

Jörg und ich pflegen das gleiche Hobby mit demselben Werkzeug: Wir fotografieren um die Wette mit der Fuji X-T3 und sind auf gemeinsamer Bilderjagd nach Twann gefahren. Es war Jörgs Idee, der bereits einmal hier war und sich daher riesig auf das wild-rauschende Motiv freut. Bereits beim Eingang in die Schlucht packt Jörg jedoch das helle Entsetzen: «Hier hat es ja gar kein Wasser!» Tatsächlich führt der Twannbach nach mehreren Wochen Trockenheit kaum Wasser, was uns Fotografen natürlich ärgert, wollten wir doch mit verschiedenen Belichtungszeiten experimentieren, um «mystisch» fliessendes Wasser abzubilden.

Aus der milchig fliessenden Mystik ist nichts geworden, umso mehr gilt die Aufmerksamkeit der wild-romantischen Natur aus Wald und Fels. Der steile Aufstieg hat sich gelohnt und endet nach fast drei fotointensiven Stunden im Restaurant mit Glasbläserei am oberen Ende der Schlucht.

Nun sollen die Bilder sprechen…


Toggenburg, Chäserrugg, 5. Juli 2020

Schon lange hatten Ruedi und ich vereinbart, dass wir uns auch zwischen den Fotokursen mal sehen würden. Endlich hat dies geklappt! Ruedi verbrachte mit Elisabeth eine Woche im Toggenburg, wo die beiden ursprünglich herkommen und daher jeden Stein und Winkel kennen.

Sonja und ich treffen die beiden in Wildhaus und fahren dann nach Unterwasser zur Talstation der Standseilbahn Iltios, wo wir unsere Fahrt auf den Chäserrugg beginnen und gleich mit der Seilbahn fortsetzen. Auf 2262 Metern Höhe macht sich trotz der eindrücklichen Fahrt und dem atemberaubenden Rundblick erst mal der Hunger bemerkbar. Erst nach einem Hugo zur Begrüssung und dem leckeren Mittagessen im Restaurant, das vor wenigen Jahren von den bekannten Architekten Herzog & de Meuron erbaut worden ist, beginnen wir unsere Rundwanderung auf dem «Blumenweg Rosenboden».

Der Rundblick ist phänomenal: Ich komme mir vor, wie auf einer Insel inmitten eines Ozeans aus Berggipfeln, die – gefrorenen Wellen gleich – mein ganzes Blickfeld ausfüllen. Dazwischen Täler und Seen, darüber der endlose Himmel mit prachtvollen Wolken. Eine einmalige Komposition in blau, grau und weiss. Und auf meiner grünen Insel blühen Tausende von Pflanzen in bunten Farben, mitten im Bergfrühling.

Meine inzwischen vertraute Fuji X-T3 ist mit von der Partie und macht einen guten Job. Mit ihr entstehen Landschaftsbilder in allen Formaten: Panoramen, Gruppenbilder, Nahaufnahmen von Pflanzen und Insekten. Petrus hat es gut gemeint mit uns und hat als wertvolle Zugabe für den Fotografen dekorative Wolken platziert, die den Bildern Tiefe verleihen. Was mich an den Aufnahmen am meisten freut, sind die Gegensätze zwischen nah und weit, schroff und sanft, hart und weich. Der Mensch ist hier oben zwar zahlenmässig gut vertreten, von seiner Bedeutung her jedoch zweitrangig.

Letzteres gilt natürlich nicht für unser Ausflugsquartett, das nicht nur die Aussicht geniesst, sondern auch den persönlichen Austausch während der ganzen Exkursion. Danke Elisabeth und Ruedi, für eure orts- und fachkundige Begleitung und für eure herzliche Freundschaft!